Modellhubschrauber fliegen lernen

Das HC3-SX – diesmal rettete es mir den Helikopter

Am 3. März 2011 benutzte ich zum ersten Mal bewusst die Rettungsfunktion des HC3-SX in meinem T-Rex 600. Und diesmal passierte genau das, was man sich von einem solchen System erhofft: Es rettete mir den Helikopter.

Am Nachmittag nahm ich mir zwei Akkus und fuhr auf mein Flugfeld. Die Bedingungen waren nicht ideal. Aus Südwesten blendete die bereits tiefer stehende Sonne, sodass ich in diese Richtung kaum sinnvoll fliegen konnte.

Gleichzeitig wehte ein recht zügiger Wind ebenfalls in Richtung Südwesten. Der Wind schob den Heli also immer wieder in meine Richtung zurück. Für einen erfahrenen Piloten ist Wind kein Drama – für mich als noch angehenden RC-Helikopter-Piloten wurde genau diese Situation beinahe zum Problem.

Was dann passierte, war eine dieser Erfahrungen, die man nicht vergisst. Es war der Moment, in dem aus theoretischem Vertrauen in ein Rettungssystem praktisches Vertrauen wurde.

Sonne

Tiefe Sonne kann die Orientierung massiv erschweren. Wenn der Heli in den Blendbereich gerät, wird die Fluglage schnell schwer erkennbar.

Wind

Windböen können einen Heli schneller versetzen, als man reagieren möchte. Besonders in Rückenlage wird daraus schnell Stress.

Rettung

Eine Rettungsfunktion hilft nur dann wirklich, wenn sie rechtzeitig ausgelöst wird und das System im Modell sauber funktioniert.

Die Fluglage war plötzlich nicht mehr eindeutig

Ich flog den Heli mit mittlerer Geschwindigkeit gegen den Wind und zog ihn dann mit Nick in einer sanften Aufwärtsbewegung im Halbkreis in die Rückenlage. Der Heli stand anschließend auf dem Rücken, mit der Nase zu mir, in etwa 25 Metern Höhe.

Von dort aus wollte ich ihn mit Roll rechts wieder in die Normallage drehen, sodass er weiterhin mit der Nase zu mir steht. In der Theorie war das ein sauberer, nachvollziehbarer Plan.

Aber grau ist alle Theorie – und noch unsicher ist der angehende Modellpilot. Eine Böe erfasste den Heli, während er sich noch in Rückenfluglage befand. Plötzlich wurde er schnell in meine Richtung bewegt, kam immer näher und sackte gleichzeitig durch.

Ich hätte viele Möglichkeiten gehabt, das Manöver rechtzeitig abzubrechen: rausdrehen, Höhe gewinnen, in die sichere Schwebefluglage zurückkehren, den Heli wieder mit dem Heck zu mir bringen.

Stattdessen zog ich meine geplante Figur weiter durch. Und genau das war der Fehler. Innerhalb eines Augenblicks war die Fluglage des RC-Helikopters für mich nicht mehr eindeutig.

Der Finger war plötzlich am Rettungstaster

Jeder Heli-Pilot kennt diesen Moment, in dem das eigene Gehirn einem etwas suggeriert, was nicht mehr sicher zur tatsächlichen Fluglage passt. Besonders als Anfänger kann man dann blitzschnell die Orientierung verlieren.

Der Heli kam näher, sank weiter ab, und ich merkte: Jetzt wird es eng. Nach einer kurzen Schrecksekunde war mein rechter Finger plötzlich am Rettungstaster.

Ich löste die Rettung aus, gab etwas positives Pitch – und der T-Rex 600 bewegte sich wieder sicher vom nahenden Boden weg.

Das HC3-SX hatte diesmal tatsächlich getan, was es tun sollte: Es bewahrte den Helikopter vor einem Absturz.

Ich war unglaublich erleichtert. In diesem Moment war die ganze Kritik, die Unsicherheit und das Misstrauen gegenüber der Technik für ein paar Sekunden vergessen. Diesmal hatte die Rettungsfunktion funktioniert.

Mein erster Flug vor Zuschauern

In den folgenden Tagen Anfang März wurde das Wetter sonniger, und es zog mich wieder öfter nach draußen zum Fliegen. Am ersten Sonntag im März beschlossen wir, zu dritt auf den Modellflugplatz nach Germershausen zu fahren: mein Sohn Lukas, meine Lebensgefährtin Dana und ich.

Ich war überrascht, als ich neun Autos auf dem Parkplatz zählte. Offenbar hatte die Sonne nicht nur mich aus dem Haus gelockt. Es war trocken, etwa 7 °C kühl, und der Wind wehte zeitweise kräftig aus wechselnden Richtungen.

Nach einem freundlichen „Hallo“ auf dem Platz stellte ich fest, dass kein einziger Heli-Pilot dabei war. Schnell war geklärt, dass man deswegen nicht traurig sei: Heli-Piloten würden ja häufig nur über dem Platz schweben und damit den Flugverkehr blockieren.

Die Worte waren nicht böse gemeint. Und nach einer kurzen Frage war klar: Ich durfte eine oder zwei Akkuladungen mit meinem T-Rex 600 auf dem Platz fliegen.

Zwischenlandung wegen Motorsegler

Kaum war ich gestartet und vielleicht eine Minute in der Luft, musste ich wieder zwischenlanden. Ein sich nähernder Motorsegler signalisierte seine Absicht, den Platz im Tiefflug zu überfliegen.

Der Segler kam von rechts, überflog das Feld hinter dem Platz in etwa 40 Metern Höhe und flog anschließend eine extrem enge Linkskurve. Fast in Messerfluglage passierte er den Platz von links nach rechts in nur etwa 10 Metern Höhe.

Das war ein spektakuläres Flugmanöver – nicht nur für meinen jüngsten Sohn Lukas. Auch Dana war so fasziniert, dass sie in diesen wenigen Sekunden keine Bilder machte.

Nach dem erneuten Start hatte ich mit heftigen Windböen zu kämpfen. Sie machten meine Figuren zwar nicht schöner, aber den Heli hatte ich jederzeit sicher im Griff. Und das, obwohl es mein erster Flug vor kleinem Publikum war – mit entsprechend weichen Knien.

T-Rex 600 nach dem ersten Flug auf dem Modellflugplatz

Nach dem ersten Flug auf dem Modellflugplatz

Etwa sieben Minuten Flugzeit vergingen. Dann landete ich wieder, um die Startbahn für die Flächenflieger freizugeben.

Dana machte noch einige Bilder. Ich hatte immer noch etwas Butter in den Beinen, aber es war ein richtig gutes Gefühl.

Der erste Flug vor Zuschauern war geschafft. Der Heli war heil, der Pilot erleichtert, und wieder war ein kleiner persönlicher Meilenstein erreicht.

Helifliegen – tolles Hobby mit Suchtpotential

Jedem Einsteiger sollte klar sein: RC-Helikopter fliegen kann süchtig machen. Nein, eigentlich muss ich mich korrigieren: Es kann einen sehr schnell so stark begeistern, dass man ständig wieder raus zum Fliegen möchte.

Bei mir kam spätestens alle paar Tage das Verlangen auf, einen meiner Helikopter durch die Luft zu bewegen. Ein paar Akkus, ein freies Feld, gutes Wetter – mehr brauchte es oft nicht.

Der entscheidende Nachteil dieser Hobby-Leidenschaft: Es gibt keine passenden Medikamente und keine Entzugsklinik.

Die einzige Möglichkeit, das Verlangen zu stillen, war damals wie heute ziemlich einfach: fliegen.

Baumgruppe mit großer Anziehungskraft

Mein liebstes Bolzgerät war zu dieser Zeit der T-Rex 600. Er war für mich ein guter Kompromiss aus Größe, Leistung und noch halbwegs überschaubaren Reparaturkosten im Fall eines Crashs.

Die bis dahin längste unfallfreie reine Flugzeit mit diesem Heli betrug rund 29 Stunden – von Februar bis Ostersonntag 2011. Die Ü30-Party musste allerdings kurzfristig ausfallen.

Unmittelbar vor Ende der 30. Flugstunde übte eine Baumgruppe direkt unter dem fliegenden Heli eine offenbar ungeheure Anziehungskraft aus. Der Heli sagte sich kurzerhand von meiner Kontrolle los und verabschiedete sich mit einer Seitwärtsrollbewegung in Richtung Baumkrone.

Das Ganze wurde begleitet vom typischen Geräusch eines Modells, das sich gerade mit hoher Drehzahl im hohen Gras oder Geäst festfrisst. Ein Geräusch, das jeder Heli-Pilot sofort erkennt – und keiner hören möchte.

Mit einem sehr typischen Verlegenheits-Pfeifen auf den Lippen versuchte ich, die Bedeutung der letzten fünf Sekunden herunterzuspielen. Ein kurzer Blick in die Umgebung brachte zumindest eine beruhigende Erkenntnis: Niemand da. Niemand hatte es gesehen. Vielleicht.

Mission „T-Rex down“

Früher oder später musste ich mich der traurigen Wahrheit mit dem Namen Schadensbilanz stellen. In diesem Moment war mir das allerdings noch ziemlich egal. Zunächst musste ich den Heli überhaupt finden und bergen.

Der Weg führte durch kniehohe Brennnesseln und Gestrüpp zum Rumpf des auseinandergerissenen, offensichtlich ausreichend bestraften Helikopters. Einziger Nachteil: kurze Hose. Keine Strümpfe.

„Alles halb so schlimm“, dachte ich mir – noch bevor ich den Schaden wirklich gesehen hatte. „Das kann man reparieren.“ Aber wo war eigentlich das Hinterteil samt Heckservo?

Nach einigem Suchen im Umkreis von etwa zehn Metern folgte der entscheidende Blick nach oben. Da hing das gesamte Heck in etwa fünf Metern Höhe in der Baumkrone. Es schien mir sinngemäß zuzurufen: „Hol mich doch – wenn du kannst!“

Mit dem biophysikalischen Vorteil, den Mutter Natur dem nächsten Verwandten des Affen gentechnisch vererbt hat, war es natürlich kein unlösbares Problem, an Heckrohr und Servo zu kommen. Ja, ich kann klettern. Zumindest grundsätzlich.

Allerdings musste ich zugeben, dass ich etwas aus der Übung war. Die letzte ernsthafte Erkundung einer Baumkrone lag geschätzt 30 Jahre zurück und endete damals mit dem Geräusch eines brechenden Astes, einem ungewollten Freiflug und einem gebrochenen linken Arm.

Alle defekten Teile wurden eingesammelt. Hoffentlich keine Zecken. Mission „T-Rex down“ war damit miss-erfolgreich abgeschlossen.

Reparatur

Wie und warum das kaputte Ding zwei Tage später schon wieder flog? Der Wille macht’s möglich. Schwamm drüber.

Kosten

Warum ich früher dachte, dieses Hobby sei zu teuer? Vielleicht wollte ich es zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr so genau wissen.

Leidenschaft

Wichtig war nur eines: Ich hatte meine legale Droge gefunden – das RC-Helikopter-Fliegen.