Ein ganz großer Modellhubschrauber

Semiscale-Helikopter: eine AS355 Twin Squirrel

Ebenfalls bei eBay ersteigerte ich ein gebrauchtes Scale-Modell. Diesmal keinen „Kreischer“, sondern einen „Stinker“: eine AS355 Twin Squirrel mit 164 cm Rumpflänge, Graupner-Uni-Mechanik und Paddelkopf.

Die AS355 wird auch Twin Squirrel genannt, weil das manntragende Original die zweimotorige beziehungsweise doppelturbinen Ausführung der Squirrel-Familie ist. Genau diese besondere Optik und Ausstrahlung machten den gebrauchten Scale-Rumpf für mich so interessant.

Auf dem Papier klang der Heli leicht reparaturbedürftig. Vor Ort sah die Sache allerdings etwas anders aus. Beim Abholen und genauen Begutachten fiel schnell auf: Ganz unfallfrei war dieses Modell wohl nicht.

Als ich das Seitenleitwerk anfasste, fiel es beinahe auseinander. Da hatte offensichtlich schon jemand geklebt, gespachtelt und irgendwie versucht, die alten Schäden zu kaschieren.

Trotzdem gefiel mir das seltene Schätzchen so gut, dass ich es mitnahm. Aus „leicht reparaturbedürftig“ wurde allerdings sehr schnell: stark reparaturbedürftig.

AS355 Twin Squirrel Scale-Helikopter im Kaufzustand

Der Kaufzustand: Twin Squirrel mit Überraschungen

Die AS355 Twin Squirrel war im Kaufzustand schon etwas älter, offenbar kaum geflogen, aber dafür wohl mehrfach unsanft gelandet.

Man hätte sie fast als Museumsstück bezeichnen können. Ein interessanter Rumpf, eine klassische Mechanik, viel Charme – aber auch viele versteckte Schäden.

Genau daraus entstand der Reiz: aus einem in die Jahre gekommenen, angeschlagenen Semiscale-Helikopter wieder ein ordentliches, flugfähiges Modell zu machen.

Kaufzustand

Der Heli wirkte zunächst vollständig, zeigte aber bei genauer Betrachtung viele alte Reparaturen und versteckte Bruchstellen.

Restaurierung

Alter Lack, alte Schäden, brüchige Teile und improvisierte Reparaturen: Der Rumpf musste grundlegend überarbeitet werden.

Umbau

Aus dem ursprünglichen Verbrenner wurde später ein elektrifizierter AS355-Twin-Squirrel-Scale-Helikopter mit überarbeiteter Mechanik.

AS355 Twin Squirrel Scale-Rumpf nach dem Entfernen des alten Dekors

Der alte Lack musste runter

Nachdem das alte Graupner-Dekor entfernt war, zeigte sich, was der Acryllack vorher gut verdeckt hatte: alte Bruchstellen, notdürftige Reparaturen und viele kleine Baustellen.

Der Lack musste vollständig herunter – manuell mit Schleifpapier. Das klingt harmlos, ist aber eine Arbeit, die Geduld, Staubtoleranz und einiges an Durchhaltevermögen verlangt.

Bei einem Scale-Rumpf entscheidet genau diese Vorarbeit später darüber, ob Lack, Füller und Oberfläche wirklich sauber werden.

AS355 Twin Squirrel mit OS 61RX Antrieb auf dem Prüfstand

Mechanik und Antrieb auf dem Prüfstand

Der ursprüngliche OS 61RX Verbrenner-Antrieb wurde auf dem Prüfstand geprüft. Dabei zeigte sich auch, dass die Hauptrotorwelle einen Schlag hatte.

Spätestens jetzt war klar, dass der Heli nicht nur optisch Arbeit machen würde. Auch an Mechanik, Antrieb und Rotorkopf musste genau hingeschaut werden.

Die vielen geklebten Stellen am Seitenleitwerk und am Rumpf bestätigten den Eindruck: Diese AS355 Twin Squirrel hatte bereits mehr erlebt, als der Kauftext vermuten ließ.

Nicht originales Höhenleitwerk der AS355 Twin Squirrel

Improvisiertes Höhenleitwerk

Eines der Höhenleitwerke war nicht mehr original. Der Vorbesitzer hatte Ersatz aus einem Holzrotorblatt gebaut.

Funktional war das vielleicht gerade noch vertretbar. Optisch passte es aber nicht zum Anspruch an einen schönen Twin-Squirrel-Scale-Helikopter.

Klar war deshalb: Das Höhenleitwerk musste neu gebaut werden.

Neu gebaute Höhenleitwerke der AS355 Twin Squirrel mit Positionslichtern

Neue Höhenleitwerke mit Positionslichtern

Die neuen Höhenleitwerke wurden passend angefertigt und direkt mit Positionslichtern ausgestattet.

Besonders praktisch: Die Leitwerksteile sind abnehmbar. Sie werden nur auf die elektrischen Kontakte aufgesteckt, die gleichzeitig die Positionslichter mit Spannung versorgen.

So entstand aus einer improvisierten Alt-Reparatur eine saubere, funktionale und optisch bessere Lösung.

Der erste Testflug kam früher als geplant

Nachdem alles überprüft, neue Servos eingebaut, die Mechanik gereinigt, der Rotorkopf geprüft und eine neue Hauptrotorwelle montiert war, ging es raus aufs Flugfeld.

Eigentlich wollte ich nur den Motorvergaser einstellen. Doch als der Motor nach kurzer Zeit stabil lief, konnte ich nicht widerstehen und hob den Heli langsam vom Boden ab.

Zunächst schwebte der Heli nur wenige Zentimeter über dem Boden. Als das gut funktionierte, ging es etwas höher aus dem Bodeneffekt heraus. Auch das klappte problemlos – und schon hing der erste kurze Rundflug dran.

Geplant war das nicht. Spaß gemacht hat es trotzdem. Nur die Heckperformance war in einer Drehrichtung nicht ausreichend. Der Heli ließ sich sauber in eine Richtung drehen, in der anderen Richtung blieb das Heck zu träge. Die Lösung: größere Heckrotorblätter.

Mechanik geprüft

Servos, Hauptrotorwelle, Rotorkopf und Antrieb mussten kontrolliert und teilweise erneuert werden.

Erster Rundflug

Aus einem geplanten Vergasertest wurde ein kurzer Rundflug. Manchmal ist die Versuchung einfach größer als der ursprüngliche Plan.

Heck optimiert

Die Heckleistung reichte in einer Drehrichtung nicht aus. Größere Heckrotorblätter sollten hier Abhilfe schaffen.

AS355 Twin Squirrel mit probeweise eingesetzten oberen Scheiben

Obere Scheiben mit Gummi eingesetzt

Die oberen Scheiben wurden probehalber eingesetzt – natürlich mit Gummi. Gerade solche Details machen bei einem Semiscale-Modell viel für den späteren Gesamteindruck aus.

Wenn die Proportionen, Scheiben und Konturen langsam wieder zusammenpassen, merkt man zum ersten Mal, wohin die Reise optisch gehen kann.

Neue Domabdeckung der AS355 Twin Squirrel mit Aussparungen für Kühlluft und Rotorkopf

Neue Domabdeckung statt Eierschale

Die alte Domabdeckung war spröde wie eine Eierschale. Sie fiel fast auseinander, wenn man sie nur etwas kräftiger anfasste.

Die neue Domabdeckung wurde eingepasst, angeschliffen und mit Aussparungen für Kühlluft und Rotorkopf versehen.

Solche Teile entscheiden nicht nur über die Optik, sondern auch über Kühlung, Zugänglichkeit und Alltagstauglichkeit des Modells.

AS355 Twin Squirrel Rumpf geschliffen und mit neuer Domabdeckung

Der Rumpf war endlich lackierbereit

Der alte Acryllack war vollständig abgeschliffen. Alle Beschädigungen wurden repariert, Löcher verschlossen und kritische Stellen verstärkt.

Ein älterer, aber hochwertiger Dreiblatt-Rotorkopf war bereits probeweise montiert. Kugel- und Drucklager wurden erneuert.

Der Rumpf war mit 600er Schleifpapier vorbereitet und lackierbereit. Die obere Domabdeckung lag lose auf, passte aber bereits zu 100 %.

AS355 Twin Squirrel geschliffener Scale-Rumpf mit reparierten Stellen

Viele Stunden Schleifarbeit

Die Flecken auf den Bildern stammen von reparierten Stellen, auf denen keine Grundierung oder kein Füllspachtel mehr vorhanden war.

Die Oberfläche war bereits vollständig glatt. Gut zu erkennen sind außerdem die Aussparungen im Bereich der Domabdeckung.

Das war einer dieser Arbeitsschritte, die später kaum jemand sieht, die aber entscheidend dafür sind, ob ein Scale-Rumpf am Ende wirklich sauber wirkt.

Instand gesetzter Dreiblatt-Rotorkopf der AS355 Twin Squirrel

Der Dreiblatt-Rotorkopf

Der gebrauchte Dreiblatt-Rotorkopf wurde zerlegt, geprüft und wieder instand gesetzt.

Gerade bei einem Scale-Modell ist der Rotorkopf nicht nur Technik, sondern auch ein wichtiger Teil der Optik. Er muss sauber laufen, spielfrei arbeiten und zum Modell passen.

Neue Kugel- und Drucklager waren deshalb Pflicht.

Vom Verbrenner zum Elektro-Helikopter

Nach einiger Überlegung fiel die Entscheidung: Die AS355 sollte nicht als Verbrenner weiterfliegen, sondern auf Elektroantrieb umgebaut werden.

Ich hatte keine Lust mehr auf Verbrennerlärm, Öl, Flecken auf dem Lack und ständiges Feintuning am Vergaser. Bei einem Verbrenner macht es spürbar einen Unterschied, ob es draußen kalt oder warm ist.

Wenn Verbrenner, dann irgendwann eine echte Turbine. Für dieses Projekt war der Elektro-Umbau die sinnvollere Lösung. Das Original der AS355 Twin Squirrel ist zwar als doppelturbinen Hubschrauber bekannt – mein Modell sollte aber zunächst als elektrisch betriebener Scale-Helikopter zuverlässig funktionieren.

Elektro-Umbau der Graupner Uni-Mechanik in der AS355 Twin Squirrel

Erster Elektro-Umbau der Uni-Mechanik

Die ursprüngliche Graupner Uni-Mechanik wurde probeweise auf Elektroantrieb umgebaut.

Der Außenläufer-Motor saß zunächst auf einer Sperrholzplatte, die später durch eine Aluplatte ersetzt werden sollte.

Der Einbau oben, über Kopf, hat einen Vorteil: Der Motor bekommt über die Kühlluftöffnung vorne in der Domabdeckung direkt Frischluft.

Graupner Uni-Mechanik beim Umbau von Verbrenner auf Elektro

Motor und Regler finden ihren Platz

Der Motor sollte im Bereich der vorderen Kühlluftöffnung sitzen. Auch der Regler sollte später dort vorne Platz nehmen, wo genügend Luftstrom vorhanden ist.

Gerade bei einem Elektro-Umbau in einem Scale-Rumpf sind Kühlung, Schwerpunkt und Zugänglichkeit entscheidend.

Einfach nur einen Motor einzubauen reicht nicht. Die gesamte Anordnung muss zur Mechanik, zum Rumpf und zum späteren Betrieb passen.

AS355 Twin Squirrel Dreiblatt-Rotorkopf mit Spinblades Matt Black Scale Blättern

Rechtsdrehend statt linksdrehend

Bezahlbare und gleichzeitig gut geeignete asymmetrische Blätter für einen linksdrehenden Dreiblatt-Rotorkopf waren kaum zu bekommen.

Also wurde die Mechanik kurzerhand auf rechtsdrehend umgebaut. Dazu kam ein Dreiblatt-Satz von Spinblades: Matt Black Scale Blätter mit nur 35 mm Blatttiefe und einer maximal zulässigen Drehzahl von 1800 U/min.

Die Blätter sind schmal und relativ biegsam, haben aber in Summe etwa die gleiche Blattfläche wie zuvor zwei symmetrische Standardrotorblätter. Spannend war natürlich, wie sich das später fliegen würde.

AS355 Twin Squirrel fertig gespachtelt und grundiert

Fertig gespachtelt und grundiert

Der Rumpf war fertig gespachtelt und mit Füller grundiert. Wichtig ist dabei ein sauberer Schliff vor dem Füllen.

Wenn der Untergrund nicht sauber vorbereitet ist, muss der Füller deutlich dicker aufgetragen werden. Das kostet am Ende Gewicht – und Gewicht ist bei einem Scale-Helikopter immer ein Thema.

Hier zahlte sich die viele Schleifarbeit langsam sichtbar aus.

AS355 Twin Squirrel Scale-Helikopter in roter Lackierung

Langsam wird sichtbar, wohin die Reise geht

In diesem Zustand bekommt man bereits eine Ahnung, wie die AS355 Twin Squirrel später aussehen soll.

Die rote Lackierung bringt Leben in das Modell, und die reparierten Formen wirken endlich wieder wie ein zusammenhängender Twin-Squirrel-Scale-Helikopter.

Wer im Hintergrund genau hinschaut, kann außerdem schon das nächste Projekt entdecken: eine Big Lama mit Turbine.

AS355 Twin Squirrel mit neu angefertigtem Heck

Das Heck ist jetzt stabiler als vorher

Das Heck wurde komplett neu angefertigt und ist nun stabiler als vorher.

Gerade bei einem gebrauchten Scale-Rumpf ist es wichtig, alte Reparaturen nicht einfach zu überdecken, sondern kritisch zu prüfen und dauerhaft belastbar zu erneuern.

Am Ende soll der Heli nicht nur gut aussehen, sondern auch dauerhaft flug- und alltagstauglich sein.